Naturschutz - Jagdbildungungszentrum Bayern

Naturschutzprojekt Toteiskessel

Verliert ein Eisblock beim Abschmelzen eines Gletschers die Verbindung zur Gletscherzunge, so wird er nicht mehr weiter bewegt und ist nicht mehr in den Fließvorgang des Gletschers eingebunden. Er bleibt als sogenanntes Toteis liegen. Wird dieser Toteisblock von Sedimenten überdeckt, so schützen ihn diese Sedimente vor dem Abtauen und es kann Jahrhunderte dauern, bis ein Toteisblock abgeschmolzen ist. Schmilzt er in der sich anschließenden Warmzeit ab, sackt das darüber liegende Schottermaterial nach, so dass an der Oberfläche eine Hohlform, ein Toteisloch, entsteht. Füllt sich dieses mit Wasser, so spricht man von einem Toteissee, andernfalls von einem Toteiskessel.
Besonders unregelmäßig geformte Teile der Grundmoränenlandschaften, die heute zahlreiche wasser- oder moorgefüllte kleine Hohlformen (Kessel, Senken, Wannen, Rinnen) aufweisen, werden als Toteislandschaft bezeichnet. Das Wasser in den Hohlformen ist angesammeltes Niederschlagswasser oder der ausstreichende Grundwasserspiegel. In der Nähe des Münchener Lehrreviers gibt es einige dieser Toteiskessel, die vom Jagdbildungszentrum Bayern in Zusammenarbeit mit Naturschutzorganisationen betreut werden.

Bedeutung der Kessel für den Naturschutz

Bei den vom Jagdbildungszentrum Bayern betreuten Toteiskesseln handelt es sich um kleine Kessel, die eine sogenannte Habitatstruktur aufweisen. Ein Habitat ist dabei ein charakteristischer Standort, der bestimmten Arten (Spezien) als Lebensraum dient. Beispiele für solche Arten sind der Hochmoor-Perlmuttfalter, der Sumpfgrashüpfer oder das Wald-Wiesenvögelchen - alles Arten, deren Überleben massiv gefährdet ist und für die die Erhaltung dieser Toteiskessel quasi zur Existenzfrage wird.

Durchzuführende Maßnahmen

In erster Linie geht es darum, diesen Lebensraum für die dort vorkommenden seltenen Arten zu erhalten. Wir Naturschützer sprechen hier von der sogenannten Erhaltung der Habitateignung.

Dazu sind regelmäßige und manchmal auch umfangreiche Wald- und Landbaumaßnahmen erforderlich, die praktisch zu allen Jahreszeiten durchzuführen sind.

So müssen an den Rändern immer wieder Jungfichten fachgerecht entfernt werden, so dass die Torfmoosdecke
nicht beeinträchtigt wird. Manche dieser Arbeiten können nur im Hochwinter durchgeführt werden - so zum Beispiel die Entfernung von Kiefern aus den Zentren der Toteiskessel, da ein durchgefrorener Boden hier zentrale Voraussetzung ist. Zur Verbesserung der Besonnung muss alle paar Jahre ein Abrücken des Waldbestandes projektiert werden. Dabei handelt es sich auch für das Jagdbildungszentrum Bayern bereits um eine größere und aufwändige Naturschutzmaßnahme.

Im Herbst werden die verhochstaudeten Bereiche und trockenere Partien in Teilen gemäht werden, um
die Fläche langfristig offenzuhalten.

Manche der Kessel haben haben im Laufe der Jahre ihre ursprünglichen Habitateigenschaft verloren, weisen aber noch Potential auf. Dieses vorhandene Potential gilt es zu revitalisieren. So kann man beispielsweise durch Entbuschung und Entnahme größerer Gehölze die Kernbereiche wieder öffnen und teile davon partiell wieder  mähen. Hier kommt die sogenannte herbstliche Streuwiesenmahd zum Einsatz.

Durch diese umfangreichen und regelmäßigen Arbeiten wird sichergestellt, dass in der bayerischen Kulturlandschaft auch weiterhin seltene Tiere und Pflanzen zum Wohle aller überleben.