Naturschutz - Jagdbildungungszentrum Bayern

Naturschutzprojekt Streuobstwiese

Das wissen nur wenige! Die Streuobstwiese, oft auch Obstwiese genannt gehört heutzutage zu den am stärksten gefährdeten Biotopen in Europa. So steht sie mittlerweile auf der Roten Liste der gefährdeten Biotop-Typen.

Der Streuobstanbau hatte bis zum Krieg über Jahrhunderte hinweg eine große kulturelle und ökologische Bedeutung. Die Wiesen wurden jedoch in den letzten 60 Jahren durch die Intensivierung in der Landwirtschaft und die fortschreitende Zersiedelung stark dezimiert.

Der Streuobstanbau ist eine traditionelle Form des Obstbaus, in der Regel ohne Einsatz von synthetischen Mitteln.
Die Flächen werden dabei mehrfach landwirtschaftlich genutzt. Zum einen für die Obsterzeugung, zum anderen aber auch für die Grünlandnutzung mit beispielsweise extensiver Viehhaltung. Die alten, auch heute noch im traditionellen Streuobstanbau verwendeten Sorten wurden zu einer Zeit entwickelt, als es Pflanzenschutzmittel noch gar gab. Diese Obstsorten sind daher gegenüber Krankheiten und Schädlingen überaus robust.

In Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsforsten kultiviert das Jagdbildungszentrum Bayern Streuobstwiesen im Osten von München.

Bedeutung der Streuobstwiesen für den Naturschutz

Es gibt nicht DIE Streuobstwiese. Vielmehr sind Streuobstwiesen DAS Genreservoir für die so genannten alten Obstsorten. Am Beispiel der Äpfel wird dies besonders deutlich, wenn man bedenkt, dass derzeit vielleicht 60 verschiedene Sorten im Handel zu finden sind. Dem gegenüber stehen circa 3000 (!) verschiedene Apfelsorten auf den Streuobstwiesen Mitteleuropas.

Die Bedeutung von Streuobstwiesen für den Naturschutz ist enorm und wird teilweise völlig unterschätzt.
So können die Obstbäume den Boden an Hängen festhalten und so der Bodenerosion vorbeugen. Extreme Temperaturen werden abgeschwächt, Windgeschwindigkeiten vermindert.
Je nach Standortfaktor und Zweitnutzung als Weide, Wiese oder Acker bilden Streuobstwiesen eine Lebensgemeinschaft für eine artenreiche Tierwelt. Biologen und Naturschützer sprechen hier von sogenannten Biozönosen. Mitglieder in diesen Biozönosen sind insbesondere  Vögel, Insekten, Spinnen, Amphibien und Reptilien. Die Artenvielfalt ist schlicht unglaublich. So konnten in einzelnen Streuobstwiesen bereits über 5000 verschiedene Tierarten beobachtet werden.

Von dieser Artenvielfalt und den somit guten Bedingungen zur Aufzucht von Jungtieren profitieren natürlich auch viele Säuger, wie Fledermäuse, diverse Schläfer oder das Mauswiesel. Daneben finden sich in diesen strukturreichen, halboffenen Landschaft typische Kulturfolger wie der Igel und die Feldmaus, sowie der Feldhase ein.

Durchzuführende Maßnahmen

Eine Tatsache muss immer wieder deutlich betont werden: Streuobstwiesen stehen für vom Menschen geschaffene Landeskultur - die Betonung liegt dabei auf dem Wort Kultur. Das bedeutet: Streuobstwiesen brauchen Betreuung und Pflege. Im folgenden werden vier zentrale Maßnahmen aufgeführt und erläutert, die wesentlich zur Erhaltung, beziehungsweise zur Revitalisierung von Streuobstwiesen beitragen:

  1. Wiederherstellung von Streuobstwiesen aus gehölzarmen Brachen durch Mulchmahd und unter Umständen kleinflächiger Entbuschung. Diese Initialmaßnahmen sind jährlich durch Heumahd oder Pflegemahd zu begleiten.
  2. Wiederherstellung von Streuobstwiesen aus gehölzreichen Brachen durch Entbuschung verbunden mit Wurzelstockrodung und der Freistellung der vorhandenen Obstbäume. Auch hier muss - wie bereits angeführt - eine regelmäßige Mahd durchgeführt werden.
  3. Erhaltung von Gebüschen und Einzelbäumen innerhalb der wiederhergestellten Streuobstwiesen.
  4. Fortsetzung der extensiven Grünlandnutzung bzw. –pflege auf noch vorhandenen Streuobstwiesen.

Idealerweise ist der Baumbestand von einer gemischten Altersstruktur. Daneben sollten aber auch ausreichend Jungbäume, ja sogar abgestorbene Exemplare vorhanden sein.

Durch diese umfangreichen und regelmäßigen Arbeiten  wird sichergestellt, dass in der bayerischen Kulturlandschaft auch weiterhin seltene Tiere und Pflanzen zum Wohle aller überleben können. Dass im Rahmen dieser Nutzung auf chemisch-synthetische Pflanzenbehandlung verzichtet wird, ist selbstverständlich und bedarf keiner gesonderten Erwähnung.